Samstag, 16. Januar 2016


Rezension:      Martin Walser "Ein sterbender Mann"    Rowohlt Verlag      

   


„Schönheit gilt“ - schreibt Martin Walser zu Beginn seines Alter-Alterswerks „Ein sterbender Mann“. Das hier vorliegende Buch kann nicht gemeint sein, denn dieser psychologische Briefroman, eine Art Anleitung zum Unglücklichsein, ist misslungen.

Stilistisch zwar großartig, inhaltlich jedoch trivial bis zum Unerträglichen, lässt er seinen Protagonisten, den Autor Theo Schadt [!], im schriftlichen Dialog mit seinem Alter Ego und mit anderen Unglücksgefährten, sein ganzes Leid schildern (klischeehaft zusammengesetzt aus dem treulosen Freund, der dümpelnd-watteweichen Ehe, und ja - einer schlimmen Erkrankung). In endlos eitlem Gerede gibt dieser sich nun dem so typisch deutschen persönlichem Weltschmerz und Todeswunsch hin. Und das heißt Jammern, Jammern, Jammern auf hohem, überstrapazierendem Niveau. Man quält sich völlig ungerührt und mit viel Disziplin durch das unsägliche Romangeschehen und merkt doch dem Werk jederzeit das Bemühen, ja das Ringen um den großen Wurf an.


Nur im vom sonstigem Geschehen losgelösten Mittelteil - in den „Berichten an die Regierung“ und in dem freien Gedankenstrom „Ums Altsein“ - hat Walser wirklich Maßgebliches zu sagen. Hier ist er auf wenigen Seiten authentisch, wahr, brillant. Das mag für Feuilleton und Aphorismen reichen, für einen ganzen, für einen guten Roman reicht es nicht.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen