Dienstag, 1. September 2015

Lina Loos - Das Buch ohne Titel - edition atelier





Die blutjunge, bildschöne  Lina Obertimpfler lernt 1902 am literarischen Stammtisch Peter Altenbergs den wesentlich älteren Architekten Adolf Loos kennen und noch am selben Abend bittet er sie um ihre Hand. Klingt wie ein Märchen? Ist aber eine wahre Geschichte, nachzulesen in Lina Loos wunderbarem  „Buch ohne Titel“.  

Diese amüsanten Anekdoten, die erlebten Geschichten, die fein formulierten Feuilletons gehören sicher zum Besten dieser literarischen Gattung. Ob es sich nun um Privates wie die liebevollen Erinnerungen an die Mutter, ein Brief an den Ehemann oder Würdigungen der prominenten Freunde (u.a. Altenberg Csokor, Friedell), um Theatergeschichten der Schauspielerin Lina Loos oder um überspitzte Glossen handelt – sie sind wunderbar geschrieben und lassen Alltag und düstere Gedanken in kürzester Zeit vergessen.

Zurück tritt aber auch der historische Kontext der 2 Weltkriege, die Machtübernahme der deutschen Nationalsozialisten , die Selbstmorde der Freunde. Lina Loos konnte sich nur durch unauffälliges Stillhalten dem Naziterror entziehen. Umso eindrücklicher wirkt da die Notiz des Herausgebers Adolf Opel zur Reichskristallnacht: „Lina Loos begibt sich an die Tatorte, … folgt dem Tross der Brandstifter und Plünderer und spricht …. immer wieder die Worte‘ Ich bin Zeuge! Ich bin Zeuge!‘ Wie durch ein Wunder entkommt sie unbehelligt.“  Nach der Befreiung Österreichs engagiert sie sich in der Frauen- und Friedensbewegung.

Die erste Buchausgabe editierte sie 1947 noch selbst, die hier vorliegende Ausgabe wurde durch Adolf Opel zusammengestellt.  Ein großer Dank gebührt dem österreichischen Verlag edition atelier, der das „Buch ohne Titel“ nun neu herausbringt und diese geistvolle, fazettenreiche Autorin einer hoffentlich großen Leserschaft neu zugänglich macht.

Nur bitte nicht gleich alles ruckzuck lesen – diese erlebten Geschichten, diese schönen Perlen schimmern langsam aneindergereiht noch viel schöner und strahlender!

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